Am Körper angebrachte Elektroden schicken, abhängig von der Distanz, unterschiedlich starke Stromimpulse, die die Muskeln kontrahieren  lassen. 

Bodymachines I

human-machine-interaction | prototype
2019




Die menschengemachte Steigerung der Komplexität im alltäglichen Umgang mit unserem Umfeld thematisiert die Frage, inwieweit wir die Kontrolle über Situationen, Entscheidungen und Handlungen überhaupt noch inne haben. Inwieweit ist selbstbestimmtes Handeln überhaupt existent, in einem System das seine Bewohner mit immer effizienterem Innovationsstreben verstummen lässt. Ist der drohende Kontrollverlust dabei ein Rückschritt oder können wir lernen, durch die Verwendung neuer Technologien, transformative Wege der Selbstbestimmung zu erkennen.

Der Prototyp Bodymachines I zeichnet die Distopie der Symbiose von Mensch und Maschine und mit ihr eine Welt, in der wir den Bezug zu den Dingen verloren haben. Bodymachines manifestiert eine Welt in der Mensch und Maschine gleichwertige Individuen werden können. Beide nehmen ihre Umwelt wahr, verarbeiten Informationen um schließlich darauf reagieren zu können. Dabei profitieren sie voneinander: der Techno-Parasit nutzt den organischen Körper seines Wirts, der Mensch ist froh um die Entscheidungssicherheit der Maschine.
Je näher sich der Nutzer einem Objekt, einer Architektur oder einer Person nähert desto stärker wird der Stromimpuls den sein Körper empfängt und desto mehr wendet sich sein Körper ab. 


Bodymachines I ist die Untersuchung der Entwicklung gegenseitiger Abhängigkeiten. Dazu übermittelt die Maschine über am Körper angebrachte Elektroden Stromimpulse an den Körper immer dann, wenn dieser sich einem Objekt nähert. Das führt dazu, dass sich der Körper dem sich nähernden Objekt verweigert, sich die Muskeln anspannen, die Arme sich zu beugen beginnen um sich von der nahenden Architektur abzuwenden. Dem Träger wird so scheinbar jegliche Kontrolle entzogen.

Können wir lernen mit Effizienz-steigernden Technologien nachhaltig umzugehen ohne die Selbstebstimmung und das Bewusstsein für den eigenen Körper zu verlieren, um zukunftsfähige Lösungen des sozialen Miteinanders zu gestalten? Oder bringt am Ende die Fremdbestimmung sogar die Auflösung der eigenen Identität auf der einen, eine Art maschinisierte Identitätsbildung postdigitaler Pseudo-Individuen auf der anderen Seite mit sich?